Muhamed Bektemirov, Spitzname „Bektemago“, zählt zu den vielversprechendsten Talenten im europäischen Ringsport. Der gebürtige Tschetschene, der seit 2010 auf der Matte steht, kämpft in der Gewichtsklasse bis 74 Kilogramm Freistil unter dem Banner der United World Wrestling (UWW). Mit einer Körpergröße von 181 cm und einem Gewicht von rund 76 Kilogramm bringt er ideale physische Voraussetzungen mit. Doch was ihn besonders auszeichnet, ist sein Gespür für den richtigen Moment, seine Schnelligkeit und seine präzise Technik – Qualitäten, die er trotz aller Herausforderungen kontinuierlich weiterentwickelt.
Muhameds Weg zum Ringen war vorgezeichnet: Sein Vater war selbst Ringer und brachte ihn früh zum Training. Seitdem ist der Kampfsport fester Bestandteil seines Lebens. Seine bisher größte sportliche Leistung ist der herausragende fünfte Platz bei der U20-Weltmeisterschaft im spanischen Pontevedra. Dort zeigte er beeindruckende Kämpfe – unter anderem einen dominanten 10:0-Sieg gegen Trent Jaeggi (Australien) in der Qualifikation sowie einen packenden 9:8-Erfolg im Achtelfinale gegen Giorgi Rigvava (Georgien). Auch im Viertelfinale lieferte er dem späteren U20-Weltmeister Ali Rezaeiaghouzgeleh (Iran) einen beherzten Kampf, in dem er zunächst sogar mit 8:2 führte.
Seine Karriere nahm jedoch eine jähe Wendung, als bei ihm im Alter von nur 20 Jahren ein Kopf-Tumor diagnostiziert wurde. Nachdem er über starke Kopfschmerzen geklagt hatte, folgte die niederschmetternde Nachricht – ein Moment, der nicht nur ihn, sondern auch sein gesamtes Team erschütterte. „Da bricht auf einmal die Welt zusammen“, beschreibt sein Coach Matthias Außerleitner die Situation. Sportdirektor Florian Marchl betont die enge Verbindung zum jungen Athleten und spricht von einem Schock, der das gesamte Umfeld tief traf. Doch Muhamed gab sich nie geschlagen. Nach einem erfolgreichen operativen Eingriff meldete er sich über Social Media mit positiven Nachrichten zurück und bedankte sich bei seiner Familie, seinen Freunden und seinem Verein AC Wals – mit dem er noch kurz zuvor den 56. Meistertitel gefeiert hatte.
„Ich komme stärker zurück. Meine Zeit wird noch kommen“,verkündete er entschlossen. Schon wenige Tage nach der Operation suchte er den Kontakt zu seinen Teamkollegen und denkt bereits an ein Comeback. Für seine Trainer steht fest: „Mago ist ein Wahnsinnskämpfer. Er wird auch diese Herausforderung gut meistern.“
Sein langfristiges Ziel ist klar formuliert: Er möchte Weltmeister werden. Um dieses Ziel zu erreichen, bringt er nicht nur Talent, sondern auch eine starke mentale Haltung mit.
Für Kampfsportanfänger hat er klare Ratschläge: „Nicht gleich denken, dass man krass ist, wenn man anfängt. Geduld. Nicht gleich aufgeben.“Trotz seiner Stärke nennt er auch selbstkritisch Pünktlichkeit und Krafttraining als Schwächen – Ehrlichkeit, die ihn als Persönlichkeit auszeichnet.