Warum kommt die UFC aktuell nicht nach Deutschland?
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Die Ultimate Fighting Championship (UFC) gilt als global unangefochtener Marktführer im Mixed Martial Arts (MMA). Sie produziert hochkarätige Events weltweit und bindet Millionen von Fans durch Pay-Per-View-Verträge, internationale TV-Deals und digitale Streaming-Plattformen. Allerdings wartet die deutsche Kampfsportgemeinschaft seit Jahren auf ein Live-Event dieser Organisation – ein Umstand, der Fragen aufwirft und Spekulationen nährt.
Ein wesentlicher Faktor für das Ausbleiben von UFC-Shows in Deutschland ist die aktuelle Übertragungsrechte-Situation: Der Vertrag zwischen der UFC und dem Streamingdienst DAZN ist Ende 2024 ausgelaufen, und es gibt bislang keine gesicherte Verlängerung oder neue Vereinbarung mit einem deutschen Rechtepartner. Infolgedessen werden UFC-Events derzeit nicht live in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ausgetragen. Diese Lücke bleibt bestehen, bis ein neuer Vertrag zustande kommt – sei es mit DAZN selbst oder alternativen Partnern wie RTL+ oder dem Springer-Verlag.
Darüber hinaus spielt die kommerzielle Perspektive eine Rolle: Für internationale Großveranstaltungen kalkulieren Sportorganisationen wie die UFC in erster Linie Märkte mit hoher Nachfrage, stabiler Infrastruktur und wirtschaftlicher Sicherheit. Obwohl Deutschland über eine treue MMA-Fanbasis verfügt, ist die Nachfrage im Vergleich zu traditionellen UFC-Märkten wie den USA, Brasilien oder dem Vereinigten Königreich bislang nicht ausreichend, um ein regelmäßiges Event mit maximaler ökonomischer Effizienz zu rechtfertigen. Diskussionen in Fachkreisen der MMA-Community sehen zudem in steuerlichen und organisatorischen Hürden zusätzliche Gründe, warum Europa insgesamt seltener auf dem UFC-Kalender erscheint.
Ein weiterer, wenn auch weniger zentraler Faktor ist die mediale Wahrnehmung: MMA und insbesondere die UFC sind in Deutschland historisch durch Kontroversen über Brutalität in Sport und Darstellung geprägt worden. Zwar wird MMA immer beliebter, doch ein verhältnismäßig spätes Wachstum im Mainstream-Sportmarkt kann dazu beitragen, dass etablierte Großveranstalter wie die UFC bisherigen Plänen zurückhaltend begegnen.
Trotz der gegenwärtigen Pause auf deutschem Boden ist die Geschichte der UFC in Deutschland bemerkenswert – besonders weil sie zeigt, dass Deutschland durchaus in der Lage ist, MMA-Großveranstaltungen zu beherbergen:
UFC 99: The Comeback – 13. Juni 2009, Lanxess Arena, Köln. Dies war das erste UFC-Event in Deutschland und zugleich die erste Veranstaltung auf dem europäischen Festland. Die Atmosphäre war elektrisierend und 12.854 Zuschauer verfolgten das Event live.
UFC 122: Marquardt vs. Okami – 13. November 2010, König Pilsener Arena, Oberhausen. Die zweite Deutschland-Station brachte erneut knapp über 8.000 Fans in die Halle.
UFC Fight Night: Muñoz vs. Mousasi – 31. Mai 2014, O2 World, Berlin. Das erste Berlin-Event war Teil einer längeren Europa-Reise der UFC.
UFC Fight Night: Jędrzejczyk vs. Penne – 20. Juni 2015, erneut in Berlin.
UFC Fight Night: Arlovski vs. Barnett – 3. September 2016, Barclaycard Arena, Hamburg.
UFC Fight Night: Shogun vs. Smith – 22. Juli 2018, erneut Hamburg. Dieses Event war die bislang letzte deutsche UFC-Show vor der aktuellen Pause.
Diese historischen Veranstaltungen belegen, dass Deutschland als Austragungsort durchaus attraktiv ist und über das Potenzial verfügt, UFC-Events zu beherbergen – sowohl was Zuschauerkapazität als auch Infrastruktur angehen.
Deutsche Athleten haben sich über die Jahre in der UFC etabliert, wenn auch bisher kein Championtitel nach Deutschland ging. Zu den gegenwärtigen UFC-Rostern gehören mehrere kämpferische Größen mit deutschem Bezug:
Abusupiyan „Abus“ Magomedov – Mittelgewicht (Deutschland) – aktive UFC-Bilanz und mehrfacher Sieg in der Promotion. Er gehört seit 2022 zum UFC-Roster und kämpft erfolgreich auf Weltniveau.
Islam Dulatov – Weltergewicht (Deutschland) – aufstrebender Athlet im UFC-Weltergewicht.
Nasrat Haqparast – Lightweight, ebenfalls deutscher UFC-Fighter im Leichtgewicht.
Ottman Azaitar – Lightweight mit starkem MMA-Hintergrund und UFC-Experience.
Die Präsenz dieser Athleten im höchsten MMA-Niveau unterstreicht Deutschlands Rolle als relevanter Talentpool, auch wenn noch kein UFC-Champion aus Deutschland hervorgegangen ist.
Während die UFC derzeit keine bestätigten Event-Pläne für Deutschland veröffentlicht hat, so halten viele Beobachter und Fans die Hoffnung lebendig. Medienberichte über mögliche Verhandlungen mit neuen Rechteinhabern sowie Erfolge deutscher UFC-Fighter wie Magomedov, die sogar Gerüchte über einen möglichen UFC-Stopp für 2026 oder 2027 anheizen, sprechen für ein langfristiges Potenzial.
Zusätzlich wächst die MMA-Szene in Deutschland sowohl im Amateur- als auch im Profi-Bereich – durch unabhängige Promotions wie We Love MMA oder OKTAGON MMA, die ebenfalls regelmäßig große Hallen füllen und zur Popularität des Sports beitragen. Diese Entwicklung kann mittelfristig die Voraussetzungen für ein großes UFC-Comeback in Deutschland stärken.
Hauptgründe sind wirtschaftliche Prioritäten und die aktuelle Medienrechtslage. Ohne starken nationalen TV- oder Streamingpartner verliert ein Markt für die UFC strategisch an Attraktivität. Zudem fokussiert sich die Organisation auf Kernmärkte wie die USA oder Großbritannien, wo Umsatz, Pay-Per-View-Zahlen und Sponsoringpotenzial höher sind.
Das bislang letzte Event war die UFC Fight Night: Shogun vs. Smith am 22. Juli 2018 in Hamburg. Seitdem gab es keine weitere UFC-Veranstaltung auf deutschem Boden.
Deutschland war insgesamt sechsmal Gastgeber der UFC – darunter das historische Debüt UFC 99: The Comeback in Köln (2009) sowie mehrere Fight Nights in Berlin und Hamburg. Diese Events bewiesen, dass Arena-Infrastruktur und Faninteresse grundsätzlich vorhanden sind.
Zu den bekanntesten, aktiven deutschen UFC-Athleten zählen Abusupiyan Magomedov im Mittelgewicht sowie Nasrat Haqparast im Leichtgewicht. Auch Ottman Azaitar sammelte UFC-Erfahrung und trug zur internationalen Sichtbarkeit deutscher Kämpfer bei.
Ja – langfristig durchaus. Mit wachsender MMA-Community, professionellen Gyms und erfolgreichen Athleten steigt die Attraktivität des Marktes. Entscheidend bleiben jedoch wirtschaftliche Faktoren und Medienpartnerschaften. Sollte sich hier eine stabile Grundlage entwickeln, erscheint eine Rückkehr der UFC nach Deutschland als realistische Perspektive.
Deutschland ist kein unbeschriebenes Blatt auf der Landkarte der Ultimate Fighting Championship. Mit Events wie die UFC 99: The Comeback oder UFC Fight Night: Shogun vs. Smith hat die Organisation bewiesen, dass der deutsche Markt in der Lage ist, hochklassige Veranstaltungen zu tragen – sowohl infrastrukturell als auch atmosphärisch.
Gleichzeitig zeigt die aktuelle Situation, dass globale Sportvermarktung vor allem wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten folgt. Fehlende TV- und Streamingrechte, strategische Priorisierung stärkerer Märkte sowie eine im internationalen Vergleich noch junge MMA-Mainstream-Struktur führen dazu, dass Deutschland derzeit nicht im Fokus der UFC-Eventplanung steht.
Und doch ist das Fundament gelegt: Mit aktiven UFC-Athleten wie Abusupiyan Magomedov, Nasrat Haqparast oder Ottman Azaitar verfügt Deutschland über Kämpfer, die auf internationalem Parkett überzeugen und eine stetig wachsende Fanbasis repräsentieren. Sie stehen sinnbildlich für die Entwicklung des Sports im deutschsprachigen Raum.
Ob und wann die UFC nach Deutschland zurückkehrt, bleibt offen. Doch die Dynamik des Marktes, die Professionalisierung der Szene und das wachsende Interesse an Mixed Martial Arts sprechen dafür, dass ein Comeback weniger eine Frage des „Ob“, sondern vielmehr des „Wann“ sein dürfte. Bis dahin bleibt die Verantwortung bei Athleten, Gyms, Promotions und Marken, die den Sport authentisch repräsentieren, die MMA-Kultur hierzulande weiter vorantreiben und auf internationalem Niveau sichtbar machen.