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Funktionelles Rumpftraining für Kampfsportler

Autor/in: Julia Reiner

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Veröffentlicht am:

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Geändert am:

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Lesezeit: 5 min

Kampfsportler im Plank

In der Welt des Kampfsports mag der Wunsch nach sichtbaren Bauchmuskeln oft im Vordergrund stehen – doch wahre Leistungsfähigkeit entsteht nicht durch die bloße Anzahl an Sit-ups, sondern durch die funktionelle Stärke des gesamten Rumpfes. Der Core ist das Kraftzentrum des Körpers: Er stabilisiert die Wirbelsäule, überträgt Kraft zwischen Ober- und Unterkörper und bildet das Fundament für Schlag-, Tritt- und Wurftechniken. Eine starke Mitte ist daher nicht nur ästhetisch, sondern eine unabdingbare Voraussetzung für höchste Performance im Ring oder auf der Matte.

Warum Sit-ups allein nicht genügen

Zahlreiche Kampfsportler greifen instinktiv zu klassischen Sit-ups, in der Hoffnung, dadurch ihren Rumpf zu stärken. Doch diese Bewegung trainiert primär den geraden Bauchmuskel (Rectus Abdominis) und vernachlässigt die tiefer liegenden Strukturen, die für Stabilität, Rotation und Krafttransfer im Wettkampf entscheidend sind. Tatsächlich besteht der funktionelle Core aus einem komplexen Netzwerk von Muskeln, die zusammenarbeiten, um Bewegungen zu kontrollieren und Kräfte zu lenken. Sit-ups allein erfassen dieses System nicht ausreichend.


Für den Kampfsport gilt: Stabilität und Kraftübertragung sind entscheidender als isolierte Muskelarbeit. Das erklärt, warum selbst Athleten mit ausgeprägten Bauchmuskeln ohne funktionelle Stabilität im Wettkampf an Leistung verlieren. 

1. Anti-Extension-Training – Planks: Stabilität ohne Kompromisse

Eine zentrale Aufgabe des Rumpfes ist es, übermäßige Beugung oder Überstreckung der Wirbelsäule zu verhindern. Plank-Varianten gehören zu den effektivsten Übungen, um diese Fähigkeit zu schulen. Im klassischen Unterarm-Plank wird der Körper wie ein Brett ausgerichtet, was die tiefe Bauchmuskulatur zusammen mit Schultern, Rücken und Glutealmuskulatur aktiviert.


Für Kampfsportler sind Planks besonders wertvoll, weil sie die Haltung in defensiven Positionen, bei Clinches oder bei Boden- und Positionskämpfen stabilisieren. Ebenso bereitet ein starker Core den Körper darauf vor, Aufprallkräfte effizient zu absorbieren und sich schnell in explosive Aktionen umzuwandeln – ohne dass die Wirbelsäule kompromittiert wird. 

2. Anti-Rotationskontrolle – Vierfüßler-Position: Kontrolle statt Kraft

Ein weiterer Aspekt funktioneller Rumpffitness ist die Fähigkeit, Rotationen kontrolliert zu widerstehen. In vielen Kampfsporttechniken wie Drehkicks, Körpertäuschungen oder dem schnellen Wechsel zwischen Angriff und Verteidigung ist die Rotationskraft entscheidend. Eine effektive Übung hierfür ist die sogenannte Arm-und-Bein-Hebung aus dem Vierfüßlerstand.


Bei dieser Bewegung wird ein entgegengesetzter Arm und das dazugehörige Bein gleichzeitig angehoben, während der Rumpf neutral bleibt. Die Übung schult die tiefen, stabilisierenden Muskeln und fördert die Balance zwischen Flexibilität und Kontrolle – eine Fähigkeit, die Kämpfer im Sparring oder Wettkampf direkt in technischer Präzision umsetzen können. 

3. Kraftübertragung – Squats: Synergie von Kraft und Stabilität

Der funktionelle Rumpf dient nicht nur der Stabilisierung, sondern vor allem der Kraftübertragung. Jede Bewegung im Kampfsport – vom explosiven Jab bis zum kraftvollen Tritt – beginnt mit einer fest verankerten, stabilen Mitte, die die Energie effizient überträgt.


Squats trainieren diese Fähigkeit auf ausgezeichnete Weise. Während des Aufstehens aus der Hocke muss der Rumpf die Wirbelsäule neutral halten und die Kraft aus den Beinen zum Oberkörper weiterleiten. Diese koordinierte Spannung ist das, was den Unterschied zwischen einer kraftvollen Technik und einer ineffizienten, energiezehrenden Bewegung ausmacht.


Für Kampfsportler bedeutet ein solcher Fokus auf funktionelle Übungen, dass sie nicht nur eine starke Körpermitte entwickeln, sondern gleichzeitig ihre gesamte athletische Grundlage verbessern – von Beschleunigung und Explosivität bis hin zu Balance und Haltung.

4. Integratives Core-Training: Vielseitigkeit schlägt Monotonie

Ein ganzheitlich starker Rumpf entsteht nicht durch einzelne, isolierte Bewegungen allein, sondern durch ein vielseitiges Programm, das Stabilität, Anti-Rotation, Kraftübertragung und dynamische Kontrolle umfasst. Deshalb sollten Kämpfer über Grundformen hinausgehen und fortgeschrittene Übungen wie: 


  • Pallof-Presses
  • Side Planks
  • Deadbugs
  • dynamische, sportartspezifische Bewegungen wie Rotationen gegen Widerstand

in ihr Training integrieren. Diese sorgen dafür, dass die Muskulatur nicht nur stärker, sondern auch reaktionsfähiger und koordinierter wird. 

Schlussgedanke: Funktion vor Form

Im Kampfsport zählt die Fähigkeit, Bewegungen effektiv und kontrolliert auszuführen – weit über die bloße Erscheinung eines Sixpacks hinaus. Ein funktionell starker Core verbessert nicht nur die athletische Leistung, sondern minimiert auch Verletzungsrisiken und schafft die Grundlage für technische Höchstleistungen. Wer diesen Weg konsequent geht, wird schnell feststellen, dass weniger Sit-ups und mehr funktionelle Übungen zu einem Core führen, der nicht nur stark aussieht, sondern tatsächlich stark arbeitet – im Training und im Wettkampf. 

FAQ – Rumpftraining im Kampfsport

Warum sind Sit-ups für Kampfsportler nicht ausreichend?

Sit-ups trainieren überwiegend den geraden Bauchmuskel und isolieren eine einzelne Bewegungsrichtung – die Rumpfbeugung. Im Kampfsport jedoch sind Stabilität, Rotationskontrolle und Kraftübertragung entscheidend. Ein funktioneller Core arbeitet dreidimensional und schützt gleichzeitig die Wirbelsäule unter Belastung.

Welche Core-Übungen sind besonders sinnvoll für Kampfsportler?

Planks (inklusive Side Planks), Deadbugs, Pallof-Presses, kontrollierte Rotationsübungen sowie schwere Grundübungen wie Squats oder Lunges sind besonders effektiv. Sie fördern Stabilität, Balance und Explosivität – Eigenschaften, die sich direkt auf Schlagkraft, Tritttechnik und Grappling-Leistung auswirken.

Wie oft sollte ein Kampfsportler den Core trainieren?

Idealerweise 2–4 Einheiten pro Woche, integriert in das reguläre Kraft- oder Techniktraining. Wichtig ist die Qualität der Ausführung und progressive Belastung – nicht die reine Wiederholungszahl.

Verbessert ein starker Core tatsächlich die Schlag- und Trittkraft?

Ja. Jede kraftvolle Technik beginnt in der Körpermitte. Der Core überträgt Energie vom Boden über die Beine und Hüfte in den Oberkörper. Ohne einer stabilen Mitte „verpufft“ ein Teil dieser Kraft, was die Effizienz und Explosivität deutlich reduziert.

Schützt Core-Training vor Verletzungen im Kampfsport?

Ein gut trainierter Rumpf stabilisiert die Wirbelsäule, verbessert die Körperkontrolle und hilft, äußere Kräfte – etwa bei Treffern oder Würfen – besser zu absorbieren. Dadurch sinkt das Risiko für Rückenbeschwerden, muskuläre Dysbalancen und Überlastungsverletzungen erheblich.

Fazit

Ein funktionell trainierter Core ist die Grundlage für Schlag-, Tritt- und Wurftechniken mit maximaler Kraftübertragung.

Klassische Sit-ups isolieren primär den geraden Bauchmuskel und reichen für kampfsportspezifische Anforderungen nicht aus.

Anti-Extension- und Anti-Rotationsübungen wie Planks oder kontrollierte Vierfüßler-Varianten fördern die Stabilität und Körperkontrolle.

Grundübungen wie Squats stärken die Fähigkeit des Rumpfes, Kraft aus dem Unterkörper effizient in explosive Bewegungen umzusetzen.

Ein vielseitiges Core-Training verbessert nicht nur die Performance, sondern reduziert auch das Verletzungsrisiko.

Für Kampfsportler gilt: Funktion steht über Form – entscheidend ist nicht der sichtbare Sixpack, sondern die leistungsfähige, belastbare Mitte.

Eine starke Körpermitte ist somit kein ästhetisches Nebenprodukt, sondern das strategische Zentrum jedes erfolgreichen Kämpfers.

Ausgewählte Quellen

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CMO bei Phantom Athletics Julia Reiner

Zur Autorin dieses Artikels

Julia Reiner ist Chief Marketing Officer (CMO) & Autorin bei Phantom Athletics. Mit ihrem BSc (WU) und Diplom in (Kraft)training & Ernährung sowie Erfahrung im Kampfsport teilt sie praxisnahe Tipps zu Fitness, Sport und Ernährung.

Zur Autorenseite von Julia Reiner
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Eine seriöse Betrachtung moderner Core-Trainingsmethoden im Kampfsport entsteht nicht durch kurzfristige Fitness-Trends, ästhetische Ideale oder die bloße Jagd nach Wiederholungszahlen. Sie basiert auf sportwissenschaftlichen Prinzipien, funktioneller Anatomie und einem klaren Verständnis leistungsorientierter Trainingssteuerung. Ein starker Rumpf ist kein dekoratives Nebenprodukt – er ist das Resultat gezielter Stabilisationsarbeit, koordinativer Schulung und systematischer Belastungsprogression. Entscheidend sind Übungen, die Kraftübertragung, Rotationskontrolle und Wirbelsäulenstabilität unter realen Belastungsbedingungen fördern. Eine fundierte Trainingsphilosophie berücksichtigt daher nicht nur sichtbare Muskelaktivität, sondern neuromuskuläre Effizienz, Verletzungsprävention und die spezifischen Anforderungen von Schlag-, Tritt- und Grapplingtechniken innerhalb eines ganzheitlichen Leistungssystems.


Phantom Athletics steht für diesen differenzierten, leistungsorientierten Blick auf das Rumpftraining im Kampfsport. Statt vereinfachter Sixpack-Narrative geht es um strukturelle Stärke, nachhaltigen Leistungsaufbau und eine Trainingskultur, die Funktion über Form stellt. Denn wahre Explosivität entsteht nicht durch isolierte Sit-ups, sondern durch Stabilität im Fundament – durch kontrollierte Spannung, saubere Technik und Athleten, die ihre Körpermitte als strategisches Zentrum jeder Bewegung verstehen. Qualität im Core-Training bedeutet Qualität im Kampf: präzise Kraftübertragung, stabile Defensive und die Fähigkeit, unter Druck strukturell stark zu bleiben.

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