King of the Streets - Kompromisslose Welt der Underground-Fights
|
|
Lesezeit: 6 min
|
|
Lesezeit: 6 min
Kein Ring, kein Käfig, keine Runden – stattdessen nackte Fäuste, harter Beton und ein Regelwerk, das nahezu alle Grenzen des modernen Kampfsports aufhebt. King of the Streets, kurz KOTS, gilt als einer der berüchtigtsten Underground-Fight-Clubs Europas. Die Kämpfe bewegen sich weit außerhalb dessen, was Zuschauer aus dem professionellen Boxen oder Mixed Martial Arts kennen.
King of the Streets entstand nach Angaben der Macher im Umfeld der schwedischen Gruppe Hype Crew. Das Dokumentarfilmprojekt King of the Streets: The Documentary datiert die Gründung auf das Jahr 2013 und beschreibt KOTS ausdrücklich als illegalen, europäischen Fight Club mit weitgehend anonymer Organisationsstruktur.
Die Bezeichnung „Street Fight“ ist dabei nicht zwingend wörtlich zu verstehen. Viele Kämpfe finden nicht auf einer öffentlichen Straße statt, sondern an geheim gehaltenen Orten – etwa in verlassenen Lagerhallen, Tiefgaragen oder abgelegenen Industriegebäuden. Entscheidend ist der Untergrund: Gekämpft wird regelmäßig auf blankem Beton, ohne gepolsterte Kampffläche und meist ohne Ring oder klassischen Käfig.
Ort und Zeitpunkt der Veranstaltungen werden nicht öffentlich beworben. Die Kämpfe werden aufgezeichnet und anschließend über die eigenen Plattformen sowie soziale Netzwerke verbreitet. Auf diese Weise hat sich KOTS trotz seines Underground-Charakters eine internationale Anhängerschaft aufgebaut.
King of the Streets fasst sein Konzept selbst in zwei Aussagen zusammen:
“Fight with no rules and no rounds. Only the winner will get the prize money.”
Das bedeutet: Es gibt weder ein klassisches Rundensystem noch eine reguläre Kampfzeit. Anders als im professionellen MMA ertönt nach fünf Minuten keine Glocke, die den Kampf unterbricht. Der Fight läuft grundsätzlich so lange, bis einer der beiden Kämpfer nicht mehr weitermachen kann oder aufgibt.
Als mögliche Kampfenden gelten vor allem:
Punktrichter und taktische Entscheidungen über mehrere Runden spielen somit keine Rolle. Wer gewinnen will, muss den Kampf vorzeitig beenden.
KOTS bezeichnet sein Format als „No Rules“. Dabei handelt es sich weniger um ein detailliert veröffentlichtes Regelwerk als um das bewusste Fehlen der üblichen Schutzbestimmungen. Nach journalistischen Recherchen können Techniken eingesetzt werden, die in regulären MMA-Organisationen streng verboten sind. Dazu zählen unter anderem Kopfstöße, Tritte gegen einen am Boden liegenden Gegner, Angriffe auf die Wirbelsäule und weitere besonders gefährliche Handlungen.
Eine einheitliche, öffentlich nachvollziehbare Liste aller erlaubten und verbotenen Techniken existiert allerdings nicht. Angaben zu einzelnen Grenzen können sich je nach Veranstaltung oder Format unterscheiden. Gerade wegen der geheimen Organisation lässt sich das Regelwerk nicht mit dem einer sanktionierten Kampfsportliga vergleichen.
Fest steht: Die Kämpfer treten überwiegend ohne Handschuhe an. Manche verwenden schmale Bandagen oder Tape, andere kämpfen vollständig mit nackten Händen. Reguläre MMA-Handschuhe gehören nicht zur üblichen Ausrüstung. Kleidung und Auftreten wirken bewusst roh: Shorts, Shirts, Straßenkleidung oder Maskierungen sind keine Seltenheit.
Der Betonboden ist nicht bloß Teil der Inszenierung, sondern verändert den gesamten Fight. Im MMA bietet die Matte zumindest eine gewisse Dämpfung. Bei KOTS kann hingegen bereits ein Takedown oder unkontrollierter Sturz zu schweren Verletzungen führen.
Dadurch gewinnt die Positionierung eine besondere Bedeutung. Ein Kämpfer muss nicht nur Schläge, Tritte und Submission-Versuche seines Gegners berücksichtigen, sondern jederzeit verhindern, mit dem Kopf auf dem Boden aufzuschlagen. Selbst erfahrene MMA-Kämpfer müssten ihre Strategie unter diesen Bedingungen deutlich anpassen.
Besonders am Boden steigt das Risiko: Ground-and-Pound, Knie, Ellenbogen und Tritte treffen den Gegner, während sich hinter dessen Kopf kein nachgebender Untergrund befindet. Der Beton wird damit faktisch zu einem zusätzlichen Gefahrenfaktor.
Das Teilnehmerfeld ist nicht einheitlich. Zu sehen sind erfahrene Kampfsportler aus Disziplinen wie MMA, Boxen, Kickboxen, Muay Thai oder Ringen, aber auch Streetfighter und Personen aus der europäischen Hooligan-Szene. Eine Recherche von Sports Politika beschreibt enge Verbindungen zu gewaltorientierten Fußballmilieus und weist zugleich auf Überschneidungen mit rechtsextremen Gruppierungen hin. Diese Hintergründe gehören zu einer kritischen Einordnung von KOTS, ohne deshalb pauschal auf jeden Teilnehmer übertragen werden zu können.
Für die Kämpfer geht es um Geld, Bekanntheit, Selbstbestätigung oder den Ruf, sich unter besonders kompromisslosen Bedingungen bewiesen zu haben. Da nur der Gewinner ein Preisgeld erhalten soll, folgt das Format einem radikalen „Winner takes all“-Prinzip.
Technisch lassen sich in vielen Begegnungen deutliche Elemente des MMAs erkennen: Striking, Clinch-Arbeit, Takedowns, Bodenkontrolle und Submissions. Dennoch unterscheidet sich King of the Streets fundamental vom regulierten Profisport.
Sanktionierte Kampfsportveranstaltungen arbeiten mit Gewichtsklassen, medizinischen Untersuchungen, lizenzierten Ringrichtern, definierten Fouls und verbindlichen Abbruchkriterien. Diese Strukturen sollen das Risiko zumindest begrenzen. Bei KOTS wird gerade ihre weitgehende Abwesenheit zum Markenkern.
Wie erheblich das Risiko ist, zeigt bereits ein Blick auf den regulierten Kampfsport: Eine wissenschaftliche Untersuchung zur Belastung durch Kopftraumata im MMA verweist auf die wiederholte Einwirkung von Schlägen auf den Kopf und die damit verbundenen gesundheitlichen Gefahren. Treffen solche Belastungen auf einen harten Betonuntergrund und stark reduzierte Schutzbestimmungen, entsteht eine kaum kontrollierbare Risikokombination.
King of the Streets, kurz KOTS, ist ein in Schweden entstandener Underground-Fight-Club. Die Kämpfe finden meist an geheimen Orten statt und werden ohne klassisches Rundensystem, weitgehend ohne Schutzausrüstung und auf hartem Beton ausgetragen.
KOTS wirbt mit dem Grundsatz „No Rules, No Rounds“. Es gibt keine festgelegten Runden und kein Punktesystem. Zahlreiche Techniken, die im regulären MMA verboten sind, können eingesetzt werden. Ein vollständig transparentes und einheitliches Regelwerk ist jedoch nicht öffentlich verfügbar.
Ein Kampf endet üblicherweise durch Knockout, Aufgabe beziehungsweise Submission oder durch einen Abbruch, wenn ein Teilnehmer nicht mehr kampf- oder verteidigungsfähig ist. Eine Entscheidung durch Punktrichter gibt es grundsätzlich nicht.
In der Regel kämpfen die Teilnehmer ohne Box- oder MMA-Handschuhe. Manche schützen ihre Hände mit dünnen Bandagen oder Tapes, während andere vollständig mit bloßen Fäusten antreten. Auch sonstige Schutzausrüstung wird üblicherweise nicht getragen.
King of the Streets ist nicht mit einer regulierten MMA- oder Boxliga vergleichbar. Die Veranstaltungen werden im Untergrund organisiert und verfügen nicht über die öffentlich nachvollziehbaren Sicherheits-, Lizenz- und Kontrollstrukturen des professionellen Kampfsports.
King of the Streets ist weder klassisches MMA noch gewöhnliches Bare-Knuckle-Boxen. Es handelt sich um eine organisierte Underground-Fight-Szene, die den Straßenkampf in ein mediales Format überträgt: ohne Runden, ohne Handschuhe, auf Beton und mit einem Minimum an erkennbaren Grenzen.
Genau diese Radikalität erklärt die enorme Aufmerksamkeit – und zugleich die massive Kritik. KOTS zeigt Kampf in seiner rohesten Form, doch der Preis dieser vermeintlichen Authentizität ist ein Verletzungsrisiko, das weit über jenes regulärer Kampfsportveranstaltungen hinausgeht. Faszination und Verantwortungslosigkeit liegen hier denkbar nahe beieinander.