HYROX vs. MMA – Wer ist fitter?
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In der Diskussion um Fitness-Extremformen tauchen immer wieder zwei Begriffe auf, die auf den ersten Blick nur wenig gemein zu haben scheinen: der standardisierte Fitness-Wettkampf HYROX und der kampfsportliche Hochleistungssport MMA (Mixed Martial Arts). Doch gerade deshalb lohnt sich eine sachliche, tiefere Betrachtung: Was bedeutet Fitness in beiden Kontexten, welche physischen Qualitäten werden gefordert und wie differenziert man die körperlichen Anforderungen dieser zwei anspruchsvollen Disziplinen?
Inhaltsverzeichnis
Der weltweit ausgerichtete Fitness-Wettkampf HYROX kombiniert wiederkehrende Elemente funktioneller Kraft mit Laufabschnitten und definiert so eine Fitness-Challenge, die sich deutlich von klassischen Sportformen unterscheidet. Athleten absolvieren acht Kilometer Laufen, unterbrochen von acht funktionellen Workouts wie SkiErg, Sled Push/Pull, Ruderergometer, Farmers Carry, Wall Balls und Lunges – alles in einer festen Reihenfolge und wiederholbaren Struktur.
Im HYROX-Wettkampf ist die kardiorespiratorische Fitness ein zentraler Leistungsfaktor, da der Puls über weite Strecken im sehr hohen Intensitätsbereich bleibt und muskuläre Ermüdung durch wiederholte Kraft- und Ausdauereinsätze entsteht. Dies verlangt eine hohe aerobe Kapazität (Ausdauer), gekoppelt mit muskulärer Ausdauer und Energiebereitstellung, um die acht Kreuzungen von Ausdauer- und Kraftanforderungen effizient zu bewältigen. Zusätzlich ist die mentale Ausdauer entscheidend: Über die Wettkampfdauer von meist 60–90 Minuten hinweg gilt es, nach jeder Lauf- und Kraftkombination eine konsistente Leistung zu halten.
Auch wenn HYROX „nur“ funktionelle Übungen nutzt, so fordert es doch eine ausgeprägte Kombination von kardiorespiratorischer Ausdauer und Kraftausdauer – ein sogenanntes Hybrid-Anforderungsprofil. Die sportwissenschaftliche Literatur beschreibt HYROX als eine Form des „Hybrid-Trainings“, bei dem kardiovaskuläre, neuromuskuläre und metabolische Anpassungen gleichzeitig gefordert und trainiert werden.
Im Gegensatz zu einem strukturierten Fitnessrennen ist MMA ein kampfsportlicher Wettkampf, der verschiedene Disziplinen wie Boxen, Kickboxen und Ringen kombiniert. Das Herzstück ist dabei nicht ein standardisierter Wettkampfparcours, sondern der körperliche Kontakt und die taktisch-technische Interaktion zwischen zwei Kämpfern. MMA ist daher ein Beispiel für eine Sportart mit extrem komplexen, multidimensionalen Fitnessanforderungen – technisch wie physiologisch.
Studien aus dem Bereich der Kampfsportphysiologie zeigen, dass MMA-Athleten alle Energie-Systeme ihres Körpers nutzen müssen:
Anaerobe Kapazität, um explosive Aktionen wie Schlag- und Takedown-Sequenzen durchzuführen.
Aerobe Kapazität, um Erholungsphasen zwischen den Runden effizient zu gestalten und über mehrere Runden hinweg ihre Leistung zu halten.
Maximale und explosive Kraft, um technische Fertigkeiten in Kraft und Geschwindigkeit umzusetzen.
MMA-Training integriert daher neben technischen Fähigkeiten auch facettenreiche Kraft- und Konditionseinheiten, die darauf abzielen, aerobe Ausdauer, anaerobe Leistungsfähigkeit, maximale Kraft und Explosivkraft zugleich zu entwickeln – gekoppelt mit Beweglichkeits- und Koordinationsarbeit.
Im Gegensatz zu HYROX, wo jede Disziplin klar definiert ist, verlangt MMA Anpassungsfähigkeit unter sich ständig verändernden Bedingungen. Ein Kämpfer muss in der Lage sein, explosiv zu agieren, schnell zwischen intensivem anaeroben Einsatz und relativ kurzer Erholung umzuschalten, und seine Technik zuverlässig auszuführen – unter der Belastung eines gegnerischen Drucks. Insgesamt zeigt sich, dass die Fitness im MMA nicht nur aus Ausdauer oder Kraft besteht, sondern aus einer harmonischen Integration vieler physischer Eigenschaften unter Wettkampfbedingungen.
Die pauschale Frage nach dem „fitteren“ Athleten zwischen HYROX- und MMA-Sportlern ist schwierig aus wissenschaftlicher Sicht zu beantworten, weil die beiden Disziplinen unterschiedliche Dimensionen von Fitness messen und fördern.
| Fitnessdimension | HYROX | MMA |
|---|---|---|
| Aerobe Ausdauer | Hoch – durch viele Lauf- und Ausdauersegmentintervalle | Hoch – zur Erholung über Runden hinweg |
| Anaerobe Leistung | Mittel – durch kurze, fordernde Kraftparcours | Sehr hoch – für explosive Bewegungen |
| Maximalkraft | Moderat – funktionelle Lasten | Hoch – Schlag- und Grappling-Fähigkeiten erfordern Kraft |
| Technische Fertigkeiten | Niedrig – standardisierte, leicht erlernbare Bewegungen | Hoch – komplexe, sportartspezifische Techniken |
| Mentale Belastbarkeit | Hoch – Durchhaltevermögen angesichts wiederholter Belastungen | Hoch – Umgang mit Druck, Gegner, Taktik |
In der Regel verfügen HYROX-Athleten über eine besonders stark ausgeprägte aerobe Ausdauer, da ihr Wettkampf aus acht Laufsegmenten und funktionellen Kraftstationen besteht, die über 60–90 Minuten hinweg durchgehalten werden müssen. MMA-Kämpfer besitzen ebenfalls eine solide Grundlagenausdauer, benötigen jedoch zusätzlich eine hohe anaerobe Leistungsfähigkeit, um explosive Aktionen in kurzen Intervallen auszuführen. Rein im Bereich der Langzeitausdauer liegt der Schwerpunkt daher eher bei HYROX.
Hier haben in der Regel MMA-Athleten Vorteile. Durch Schlag-, Kick- und Grappling-Techniken müssen sie hohe Kraftimpulse in kürzester Zeit erzeugen. Explosivkraft und Schnellkraft sind essenziell für Takedowns, Kombinationen oder Konteraktionen. HYROX fordert zwar ebenfalls Kraft, jedoch meist in wiederholter, submaximaler Belastung – weniger in maximal explosiven Einzelaktionen.
MMA ist technisch deutlich komplexer. Neben der physischen Fitness erfordert der Sport taktisches Verständnis, Timing, Distanzgefühl sowie das Beherrschen verschiedener Kampfstile. HYROX basiert hingegen auf standardisierten, funktionellen Bewegungsmustern wie Schlitten schieben oder Rudern, die zwar fordernd, aber technisch weniger vielschichtig sind.
Beide Disziplinen fördern eine hervorragende körperliche Leistungsfähigkeit. HYROX eignet sich besonders für Personen, die ihre Ausdauer-Kraft-Hybridleistung systematisch verbessern möchten. MMA hingegen entwickelt zusätzlich Koordination, Reaktionsfähigkeit und mentale Widerstandskraft unter Druck. Die Wahl hängt somit von den individuellen Zielen ab.
Ja – und genau darin liegt ein spannender Trainingsansatz. HYROX-Elemente können die Grundlagenausdauer und Kraftausdauer von MMA-Athleten verbessern. Umgekehrt profitieren HYROX-Athleten von MMA-Training durch gesteigerte Explosivität, Rumpfstabilität und mentale Belastbarkeit. Eine kluge Periodisierung ist jedoch entscheidend, um Überlastung zu vermeiden und beide Trainingsformen sinnvoll zu integrieren.
Fitness ist kein eindimensionaler Wert, den man einfach messen kann. Während HYROX einen Athleten darauf trainiert, über längere Zeit hohe Belastung unter standardisierten Parcours-Bedingungen zu halten, verlangt MMA ein multifunktionales Leistungsprofil unter sich ständig ändernden Kampfbedingungen. Beide Disziplinen fordern ihre Athleten bis an die physischen und mentalen Grenzen – doch sie tun dies auf unterschiedliche Weise. Wer fitter ist, hängt somit nicht allein von einer Skala ab, sondern davon, welche körperlichen Qualitäten man als entscheidend bewertet.
HYROX-Athleten sind extrem fit im Bereich der Ausdauer-Kraft-Hybridleistung, mit besonderer Betonung auf gleichmäßiger, langanhaltender Belastung.
MMA-Athleten entwickeln eine komplexere Fitness, die neben Ausdauer und Kraft auch technische Präzision, schnelle Erholungsfähigkeit und anaerobe Explosivität erfordert.