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Lauftraining für Kampfsportler

Autor/in: Julia Reiner

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Geändert am:

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Lesezeit: 7 min

Ringer Ahmed Dudarov mit Phantom Athletics Hoodie, Jogginghose und Mütze beim Laufen Outdoor

Im Ring, im Cage oder auf der Matte entscheidet nicht allein die maximale Kraft über den Erfolg. Ein Kampfsportler muss explosive Aktionen wiederholt abrufen, sich während kurzer Unterbrechungen möglichst rasch erholen und seine technische Präzision auch unter fortschreitender Ermüdung bewahren. Ein strukturiertes Lauftraining kann hierzu einen wertvollen Beitrag leisten – vorausgesetzt, es wird auf die Anforderungen des Kampfsports abgestimmt.

Warum Kampfsportler vom Laufen profitieren

Kampfsportarten sind durch einen ständigen Wechsel zwischen hochintensiven Aktionen und Phasen geringerer Belastung geprägt. Angriffe, Takedowns, Clinch-Situationen und schnelle Kombinationen beanspruchen vor allem die anaeroben Energiesysteme. Gleichzeitig bildet die aerobe Leistungsfähigkeit die Grundlage dafür, dass sich der Organismus zwischen diesen Aktionen sowie zwischen einzelnen Runden erholen kann.


Wissenschaftliche Untersuchungen zum Ringen zeigen beispielsweise, dass eine gut entwickelte kardiorespiratorische Fitness wesentlich dazu beiträgt, die Belastung über die gesamte Kampfdauer aufrechtzuerhalten und die Erholung zwischen den Kampfabschnitten zu unterstützen. Auch das Boxen wird in der Forschung als hochintensive, intermittierende Sportart beschrieben, in der wiederholte Belastungsspitzen bewältigt werden müssen.


Lauftraining kann deshalb mehrere Aufgaben erfüllen:


  • Verbesserung der aeroben Grundlagenausdauer
  • schnellere Erholung zwischen intensiven Aktionen
  • Steigerung der maximalen Sauerstoffaufnahme
  • bessere Belastungsverträglichkeit über mehrere Runden
  • Entwicklung der wiederholten Sprint- und Intervallfähigkeit

Entscheidend ist jedoch, dass nicht jeder Lauf demselben Zweck dient.

Lockere Dauerläufe: die aerobe Basis

Ruhige Dauerläufe sind keineswegs ausschließlich Ausdauersportlern vorbehalten. Für Kampfsportler schaffen sie eine Grundlage, auf der intensivere Einheiten aufgebaut werden können. Während eines solchen Laufes sollte eine Unterhaltung in kurzen Sätzen noch problemlos möglich sein. Das Tempo bleibt kontrolliert und die Einheit hinterlässt keine ausgeprägte Erschöpfung.


Abhängig vom Trainingsstand können 25 bis 45 Minuten genügen. Ein bis zwei lockere Läufe pro Woche sind für viele Kampfsportler ausreichend – insbesondere dann, wenn bereits mehrere technische, taktische und athletische Einheiten absolviert werden.


Das Ziel besteht nicht darin, möglichst viele Kilometer zu sammeln. Vielmehr soll die aerobe Leistungsfähigkeit verbessert werden, ohne die Qualität des Kampf- und Krafttrainings zu beeinträchtigen. Untersuchungen zur Verteilung von Trainingsintensitäten im Ausdauersport sprechen dafür, einen großen Teil des Ausdauertrainings mit niedriger Intensität und einen deutlich kleineren Anteil hochintensiv zu gestalten. Dieses Verhältnis lässt sich nicht unverändert auf jeden Kampfsportler übertragen, verdeutlicht jedoch einen wichtigen Grundsatz: Nicht jede Konditionseinheit muss maximal hart sein.

Intervallläufe: kampfnahe Belastungsspitzen

Intervallläufe wechseln intensive Belastungsphasen mit aktiven oder passiven Erholungspausen ab. Dadurch lassen sich jene wiederkehrenden Leistungsspitzen trainieren, die für viele Kampfsportarten charakteristisch sind.


Eine mögliche Einheit besteht beispielsweise aus vier bis sechs schnellen Läufen über zwei bis drei Minuten, unterbrochen von jeweils zwei Minuten lockerem Gehen oder Traben. Alternativ können kürzere Intervalle von 30 bis 60 Sekunden eingesetzt werden. Je kürzer und intensiver die Belastung ausfällt, desto stärker rücken Schnelligkeit und anaerobe Leistungsfähigkeit in den Vordergrund.


Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse kam zu dem Ergebnis, dass hochintensives Intervalltraining bei Kampfsportlern insbesondere die maximale Sauerstoffaufnahme und – abhängig von der Disziplin – die anaerobe Leistungsfähigkeit verbessern kann. Eine weitere Übersichtsarbeit zu olympischen Kampfsportarten berichtet ebenfalls über Verbesserungen der aeroben und vor allem der anaeroben Fitness durch HIIT (High Intensity Interval Training)-Protokolle.


Dennoch sollte die Belastung nicht wahllos gewählt werden. Ein Boxer mit dreiminütigen Runden benötigt teilweise andere Intervalle als ein Ringer, Taekwondo-Athlet oder MMA-Kämpfer. Belastungsdauer, Pausenlänge und Intensität sollten sich daher an der jeweiligen Wettkampfstruktur orientieren.

Sprints: Explosivität unter Ermüdung

Kurze Sprints können die Fähigkeit fördern, wiederholt hohe Laufgeschwindigkeiten zu erzeugen. Geeignet sind beispielsweise sechs bis zehn Sprints über 20 bis 40 Meter mit ausreichender Pause. Auch Bergsprints stellen eine wirkungsvolle Variante dar, da sie hohe Intensitäten ermöglichen, ohne dass dieselben Spitzengeschwindigkeiten wie auf flacher Strecke erreicht werden.


Eine Meta-Analyse zu wiederholtem Sprinttraining bei trainierten Sportlern zeigt positive Effekte auf Sprintleistung, maximale Sauerstoffaufnahme, Richtungswechsel und wiederholte Sprintfähigkeit. Sprints sind allerdings hoch belastend. Sie sollten nur in aufgewärmtem Zustand und mit sauberer Technik durchgeführt werden. Ermüdungsbedingtes „Durchziehen“ mit deutlich nachlassender Geschwindigkeit verfehlt den eigentlichen Zweck der Einheit.

Lauftraining sinnvoll in die Woche integrieren

Ein möglicher Aufbau für einen Kampfsportler mit mehreren Einheiten pro Woche könnte folgendermaßen aussehen:


  • eine lockere Laufeinheit von 30 bis 40 Minuten
  • eine Intervall- oder Sprinteinheit
  • mindestens ein vollständiger Ruhetag oder eine sehr leichte Regenerationseinheit

Intensives Lauftraining sollte möglichst nicht unmittelbar vor hartem Sparring, schwerem Beintraining oder einer technisch anspruchsvollen Einheit stattfinden. Die Forschung zum kombinierten Kraft- und Ausdauertraining zeigt, dass beide Trainingsformen grundsätzlich erfolgreich miteinander verbunden werden können. Bei ungünstiger Planung kann jedoch insbesondere die Explosivkraft beeinträchtigt werden. Umfang, Häufigkeit und Reihenfolge müssen deshalb zum Gesamtprogramm passen.

Häufige Fehler beim Lauftraining

Zu den häufigsten Fehlern gehört es, jeden Lauf in einem mittelharten Tempo zu absolvieren. Diese Einheiten sind oft zu intensiv, um der Regeneration zu dienen, aber nicht spezifisch genug, um maximale Anpassungen hervorzurufen. Ebenso problematisch ist ein plötzlich stark erhöhter Trainingsumfang. Das Internationale Olympische Komitee nennt unzureichendes Belastungsmanagement und rasche Belastungssteigerungen als wesentliche Risikofaktoren für Verletzungen und gesundheitliche Probleme im Sport.


Bei Schmerzen, anhaltender Müdigkeit, sinkender Leistung oder ungewöhnlich hoher Ruheherzfrequenz sollte die Belastung reduziert und gegebenenfalls fachlicher Rat eingeholt werden.

UFC-Fighter Aleksandar "Rocket" Rakic mit Phantom Athletics Fight Shorts nach dem Laufen

FAQ: Häufige Fragen zum Lauftraining für Kampfsportler

Wie oft sollten Kampfsportler laufen gehen?

Für die meisten Kampfsportler sind ein bis zwei Laufeinheiten pro Woche ausreichend. Empfehlenswert ist eine Kombination aus einem lockeren Dauerlauf und einer intensiveren Intervall- oder Sprinteinheit. Der genaue Umfang hängt vom Trainingsstand, der Wettkampfphase und der Anzahl der übrigen Einheiten ab.

Sind lange Dauerläufe für Kampfsportler sinnvoll?

Lange Dauerläufe sind nicht grundsätzlich ungeeignet, sollten jedoch gezielt eingesetzt werden. Meist reichen 25 bis 45 Minuten in ruhigem Tempo aus, um die aerobe Grundlage zu verbessern. Ein zu hoher Laufumfang kann unnötige Ermüdung verursachen und die Qualität des Kraft-, Technik- oder Sparringtrainings beeinträchtigen.

Welche Laufintervalle eignen sich für Kampfsportler?

Die Intervalle sollten sich an der Belastungsstruktur der jeweiligen Disziplin orientieren. Möglich sind beispielsweise vier bis sechs schnelle Läufe über zwei bis drei Minuten mit jeweils zwei Minuten Erholung. Für Schnelligkeit und anaerobe Leistungsfähigkeit eignen sich zudem kürzere Intervalle von 30 bis 60 Sekunden.

Sollte ein Kampfsportler vor oder nach dem Krafttraining laufen?

Intensive Lauf- und Krafteinheiten sollten nach Möglichkeit zeitlich getrennt werden. Muss beides am selben Tag stattfinden, richtet sich die Reihenfolge nach dem Trainingsschwerpunkt. Stehen Kraft und Explosivität im Mittelpunkt, sollte das Krafttraining zuerst erfolgen. Ein lockerer Lauf kann hingegen häufig problemlos nach dem Krafttraining oder als separate regenerative Einheit absolviert werden.

Ist Joggen oder Sprinttraining besser für Kampfsportler?

Beide Trainingsformen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Ruhiges Joggen verbessert die aerobe Grundlage und unterstützt die Erholungsfähigkeit. Sprint- und Intervalltraining bereiten den Körper auf wiederholte intensive Belastungen vor. Besonders wirkungsvoll ist daher eine ausgewogene Kombination, die zum restlichen Trainingsplan und zur jeweiligen Kampfsportart passt.

Fazit

Lauftraining kann die konditionellen Voraussetzungen eines Kampfsportlers wirkungsvoll ergänzen. Lockere Dauerläufe entwickeln die aerobe Grundlage, Intervalle verbessern die Fähigkeit zur wiederholten intensiven Belastung und Sprints fördern Schnelligkeit sowie Explosivität. Die beste Einheit ist jedoch nicht zwangsläufig die härteste, sondern jene, die einen klaren Zweck erfüllt und sinnvoll in das gesamte Training eingebettet wird.


Wer im Kampf länger leistungsfähig bleiben möchte, sollte daher nicht einfach mehr laufen – sondern gezielter.

Ausgewählte Quellen

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Externe Marketingberaterin bei Phantom Athletics Julia Reiner

Zur Autorin dieses Artikels

Julia Reiner ist externe Marketingberaterin und Autorin bei Phantom Athletics. Mit ihrem BSc (WU) in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (BWL), ihrem Diplom im Bereich Krafttraining & Ernährung sowie ihrer Erfahrung im Kampfsport verbindet sie fundiertes Fachwissen mit praktischer Erfahrung und teilt praxisnahe Tipps zu Fitness, Sport und Ernährung.

Zur Autorenseite von Julia Reiner
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Hast du Fragen zu diesem Thema?

Lauftraining für Kampfsportler zeigt, wie gezieltes Ausdauertraining die Leistungsfähigkeit im Ring, im Cage oder auf der Matte verbessern kann. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Kilometer zurückzulegen, sondern die konditionellen Anforderungen des Kampfsports sinnvoll zu ergänzen. Besonders im Boxen, Ringen, Grappling, Brazilian Jiu-Jitsu und MMA kann eine gut entwickelte Ausdauer dazu beitragen, die Leistung über mehrere intensive Runden aufrechtzuerhalten.


Gerade für Personen, die Lauftraining erstmals in ihren Trainingsplan integrieren, ist die richtige Belastungssteuerung entscheidend. Lockere Dauerläufe verbessern vor allem die aerobe Grundlage, während Intervallläufe und Sprints den Körper auf wiederholte intensive Belastungsspitzen vorbereiten. Die Auswahl der Einheiten sollte jedoch nicht pauschal erfolgen, sondern an die jeweilige Kampfsportart, den individuellen Trainingsstand und die bereits bestehende Gesamtbelastung angepasst werden. Da zu intensive oder ungünstig platzierte Laufeinheiten die Regeneration beeinträchtigen können, sollte das Lauftraining sorgfältig mit Technik-, Kraft- und Sparringseinheiten abgestimmt werden.


Langfristig zeigt Lauftraining für Kampfsportler, welche Bedeutung eine ausgewogene Kombination aus Ausdauer, Explosivität und ausreichender Erholung besitzt. Eine planvolle Steuerung, eine schrittweise Steigerung und klar definierte Trainingsziele verbessern nicht nur die Kondition, sondern können auch die Erholungsfähigkeit zwischen intensiven Aktionen unterstützen. Wer lockere Dauerläufe, Intervalle und Sprints gezielt einsetzt, kann deshalb länger leistungsfähig bleiben, seine Belastbarkeit erhöhen und auch unter fortschreitender Ermüdung konzentriert kämpfen.

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