Paddy Pimblett und seine Gewichtsachterbahn
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Paddy Pimblett gehört zu den auffälligsten Persönlichkeiten der Ultimate Fighting Championship (UFC) – nicht nur wegen seines Kampfstils, seiner Interviews oder seiner enormen Popularität. Kaum ein anderer Lightweight-Fighter sorgt regelmäßig für derart viel Aufmerksamkeit durch seine körperliche Veränderung zwischen zwei Kämpfen. Während Pimblett für seine UFC-Kämpfe rund 155 Pfund beziehungsweise 70 Kilogramm auf die Waage bringt, steigt sein Gewicht außerhalb des Fight Camps teilweise drastisch an. In der Vergangenheit sprach der Liverpooler selbst von Werten um 205 Pfund – rund 93 Kilogramm. Damit bewegte er sich zeitweise rund 23 Kilogramm über seinem offiziellen Kampfgewicht.
Wie kann ein professioneller MMA-Kämpfer innerhalb weniger Monate derart große Gewichtsunterschiede durchlaufen – und warum entscheidet sich Pimblett immer wieder bewusst dafür?
Inhaltsverzeichnis
Pimblett tritt in der UFC im Lightweight an. Das Gewichtslimit für reguläre Titelkämpfe liegt bei 155 Pfund (70,3 Kilogramm). Dass dieses Gewicht jedoch keineswegs seinem normalen Alltagsgewicht entspricht, ist offensichtlich.
Besonders eindrucksvoll wurde dies bereits 2022. Rund zwei Monate vor seinem Kampf gegen Jordan Leavitt wog Pimblett nach eigenen Angaben 205 Pfund. Gegenüber BBC Sport erklärte er damals, dass ihm beim Blick auf die Waage selbst bewusst geworden sei, dass er etwas ändern müsse.
Auch in späteren Jahren blieb das Muster bestehen. Vor seinem Kampf gegen Michael Chandler im April 2025 musste Pimblett innerhalb eines vergleichsweise kurzen Camps etwa 40 Pfund reduzieren. Vor dem Kampf gegen Justin Gaethje Anfang 2026 startete er sein Camp laut eigener Aussage bei rund 88 Kilogramm beziehungsweise 194 Pfund. Seine Gewichtsschwankungen sind damit längst zu einem festen Bestandteil seiner öffentlichen Wahrnehmung geworden.
Der Grund für die enorme Gewichtszunahme ist kein Geheimnis: Pimblett liebt Essen – und spricht bemerkenswert offen darüber.
Seine Ernährung außerhalb eines Fight Camps unterscheidet sich deutlich von jener während der professionellen Kampfvorbereitung. Nach Kämpfen gönnt er sich bewusst Phasen, in denen Kalorien, Körpergewicht und sportliche Ästhetik für ihn eine untergeordnete Rolle spielen. Dahinter steckt auch eine bestimmte Mentalität. Pimblett beschrieb sich selbst gegenüber der BBC als jemanden, der kaum einen Mittelweg kenne. Egal ob Training, Essen oder andere Bereiche seines Lebens: Er neige dazu, Dinge vollständig auszuleben.
Genau darin liegt ein Teil seiner Faszination. Der professionelle Fighter, der innerhalb des Camps enorme Disziplin demonstriert, erlaubt sich außerhalb davon bewusst das Gegenteil.
Die Off-Season wird für Pimblett damit zu einer Art mentalem Kontrastprogramm: Während der Vorbereitung bestimmen Trainingspläne, Ernährung, Kalorien und Gewicht den Alltag. Danach möchte er essen und leben, ohne permanent die nächste Zahl auf der Waage im Kopf zu haben.
Pimbletts Umgang mit Essen wurde allerdings nicht immer nur humorvoll thematisiert. In der Vergangenheit äußerte er selbst die Vermutung, ein problematisches Verhältnis zum Essen entwickelt zu haben. Berichte über einzelne Tage mit extrem hoher Kalorienaufnahme und seine massiven Gewichtsschwankungen sorgten entsprechend für Diskussionen.
Gerade im MMA entsteht dabei ein grundsätzliches Spannungsfeld: Kämpfer müssen für einen bestimmten Zeitpunkt ein Gewicht erreichen, das häufig deutlich unter ihrem normalen Trainings- oder Alltagsgewicht liegt. Nach dem Wiegen folgt die Rehydrierung, nach dem Kampf wiederum verschwindet der unmittelbare Zwang, dieses niedrige Gewicht zu halten.
Bei Pimblett scheint dieser Kontrast besonders stark ausgeprägt zu sein.
Innerhalb der MMA-Szene wird Pimbletts Vorgehensweise seit Jahren kontrovers diskutiert.
Der ehemalige UFC-Champion T.J. Dillashaw kritisierte bereits 2022 die starken Schwankungen und bezeichnete einen solchen Lebensstil sinngemäß als problematisch für den Körper und die langfristige sportliche Entwicklung. Pimblett reagierte darauf gewohnt selbstbewusst: Solange er sein Gewicht erreiche und seine Leistung bringe, wolle er sein Leben außerhalb der Fight Camps nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten.
Die Kritik ist dennoch nachvollziehbar. Je weiter ein Athlet außerhalb des Camps von seinem Zielgewicht entfernt ist, desto größer wird der Aufwand, dieses innerhalb weniger Wochen wieder zu erreichen. Gerade bei kurzfristig angesetzten Kämpfen kann dies zum Problem werden.
Hinzu kommt, dass der finale Weight Cut nicht ausschließlich aus klassischem Fettverlust besteht. In den letzten Tagen vor dem Wiegen reduzieren MMA-Athleten insbesondere Körperwasser, um das vorgeschriebene Limit kurzfristig zu erreichen. Je aggressiver ein solcher Prozess ausfällt, desto entscheidender werden professionelle Planung, Flüssigkeitsmanagement und anschließende Rehydrierung.
Bei aller Kritik gibt es einen entscheidenden Punkt: Paddy Pimblett hat das UFC-Lightweight-Limit bislang zuverlässig erreicht.
Auch 2026 verteidigte er seine Vorgehensweise erneut öffentlich. Nach seinem jüngsten Fight Camp bezeichnete er sich scherzhaft sogar als „the GOAT of weight cutting“. Als entscheidende Faktoren nannte er vor allem Disziplin und mentale Stärke während der Vorbereitung. Sobald das Camp beginnt, hält er sich nach eigener Darstellung konsequent an die notwendigen Vorgaben.
Genau dieser Gegensatz definiert Pimbletts Gewichtsgeschichte: außerhalb des Camps maximale Freiheit, innerhalb des Camps maximale Kontrolle.
Sein offizielles UFC-Profil führte ihn zuletzt mit 154,5 Pfund – also knapp unter 70 Kilogramm. Dass derselbe Athlet außerhalb seiner Kämpfe deutlich über 85 oder sogar 90 Kilogramm wiegen kann, verdeutlicht das Ausmaß seiner Transformation.
Paddy Pimbletts Gewicht schwankt außerhalb seiner Fight Camps deutlich. In der Vergangenheit gab er an, zeitweise bis zu 205 Pfund beziehungsweise rund 93 Kilogramm gewogen zu haben. Sein Off-Season-Gewicht ist jedoch nicht konstant und unterscheidet sich von Camp zu Camp.
Paddy Pimblett kämpft in der UFC im Lightweight (Leichtgewicht). Für seine Kämpfe muss er entsprechend das vorgeschriebene Gewichtslimit erreichen. Bei offiziellen UFC-Wiegungen liegt er deshalb bei ungefähr 155 Pfund beziehungsweise 70 Kilogramm.
Pimblett spricht offen über seine große Leidenschaft für Essen. Außerhalb seiner Fight Camps erlaubt er sich bewusst mehr Freiheit bei seiner Ernährung. Beginnt die Vorbereitung auf einen Kampf, stellt er seine Ernährung um und reduziert sein Gewicht konsequent.
Die Gewichtsabnahme erfolgt über mehrere Wochen während des Fight Camps durch eine kontrolliertere Ernährung und intensives Training. Unmittelbar vor dem offiziellen Wiegen kommt zusätzlich ein sogenannter Weight Cut hinzu, bei dem insbesondere das Körperwasser kurzfristig reduziert wird. Solche Methoden sollten ausschließlich unter professioneller Betreuung durchgeführt werden.
Extreme und wiederholte Gewichtsschwankungen können den Körper stark belasten und werden deshalb auch innerhalb der MMA-Szene kritisch diskutiert. Wie sich Pimbletts Vorgehensweise individuell auf seine Gesundheit auswirkt, lässt sich von außen jedoch nicht seriös beurteilen. Entscheidend ist, zwischen langfristigem Gewichtsverlust und dem kurzfristigen Weight Cutting vor einem Kampf zu unterscheiden.
Paddy Pimbletts Gewichtsachterbahn ist mehr als eine kuriose Begleiterscheinung seiner UFC-Karriere. Sie zeigt einen der größten Widersprüche des modernen MMA: Athleten treten in Gewichtsklassen an, die teilweise weit von ihrem normalen Körpergewicht entfernt sind.
Pimblett treibt diesen Gegensatz auf die Spitze. Er genießt seine Zeit außerhalb des Camps bewusst, isst, worauf er Lust hat, und nimmt die anschließende harte Diät in Kauf. Für ihn gehört beides zusammen – Genuss und Disziplin, Off-Season und Fight Camp.
Ob diese Strategie langfristig bis zum Ende seiner Karriere funktioniert, bleibt offen. Bislang gelingt ihm jedoch etwas, das angesichts seiner teilweise enormen Gewichtsschwankungen bemerkenswert bleibt: Wenn der Moment des offiziellen Wiegens gekommen ist, steht Paddy Pimblett bei rund 70 Kilogramm auf der Waage.